Mit seinen Bänken schafft der baubotanische Hain einen Ort, an dem Menschen inmitten von Bäumen sitzen, verweilen und den kühlenden Schatten der Baumkronen genießen können. Zugleich bildet er – anstelle des Vordaches aus Stahl oder Beton, das sich vor der Neugestaltung auf dem Platz befand – den räumlichen Grün-Abschluss des Platzes vor der Kirche St. Thomas Morus.
Ziel des Entwurfs ist es, einen Aufenthaltsort zu schaffen, der nicht nur funktional überzeugt, sondern auch zeigt, wie Pflanzen Teil einer gestalteten und gebauten Umwelt werden können – ein Ansatz, der insbesondere in Bayern auf eine lange Tradition zurückblicken kann: Im Mittelalter fanden sich in vielen bayerischen Städten und Dörfern sogenannte Tanzlinden – in ihrem Wachstum architektonisch überformte Lindenbäume, die teilweise sogar ganze Tanzböden in der Baumkrone aufnahmen. Einige dieser Beispiele sind bis heute erhalten geblieben.
Für das Projekt wurden Bäume eigens in einer Baumschule ausgewählt und mithilfe von 3D-Laserscans präzise vermessen. Durch einen erweiterten Wurzelraum unter der Platzfläche und ein integriertes Regenwassermanagement wurden möglichst gute Wachstumsbedingungen für die Bäume geschaffen.
Die Verschraubung der Bänke mit den Baumstämmen betrifft nur in geringem Maß deren lebendes Gewebe, das sich vor allem in den äußeren Bereichen des Holzes und den inneren Bereichen der Rinde befindet. Sie werden nur punktuell verletzt, die Bohröffnung wird mit einer Unterlagscheibe verschlossen, und die Verschraubung wird im Stamminneren durch nicht lebendes Holz geführt. Langjährige Untersuchungen der Technischen Universität München und der Universität Stuttgart sowie vergleichbare Projekte zeigen, dass die Vitalität der Bäume durch derartige – fachgerecht ausgeführte – Verbindungen in der Regel nicht beeinträchtigt wird.
Das Projekt nutzt gezielt die natürlichen Wachstums- und Selbstreparaturprozesse von Bäumen. An den Verbindungsstellen bilden sich Überwallungen aus, die die Schrauben zunehmend dicht und kraftschlüssig umschließen. Da Bäume nur an den Triebspitzen in die Länge wachsen, verändert sich die Höhe der Bänke im Laufe der Zeit nicht.
Die Baubotanik schafft – anstelle eines Vordaches aus Beton oder Stahl – für München wichtige Grün- und Klimaausgleichsflächen, die der gesamten Stadtgemeinschaft zugutekommen.